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Mein Körper gehört mir

Missbrauch ist "gesellschaftliche Normalität"

Der Lionsclub unterstützte wieder, schon traditionell, das Gewaltpräventionsprogramm "Mein Körper gehört mir". Dieses Jahr in der Volksschule Forchtenstein, das Programm ist ein wichtiger Bestandteil unserer Jugendarbeit.

Sexuelle Übergriffe auf Kinder sind keine skurrile Ausnahmeerscheinung, kein Promillebereich in der Statistik. Sie sind nach Aussagen von Familientherapeuten "gesellschaftliche Normalität". Man glaubt es nicht, weil man nichts davon weiß, wenn man nicht direkt betroffen ist.

Wer selbst in der Kindheit Opfer von Gewalt oder Missbrauch wurde, neigt mit höherer Wahrscheinlichkeit dazu, später selbst zum Täter zu werden.

Die Verhinderung von Missbrauch setzt diesem Teufelskreis ein Ende. Sie ist somit eine nachhaltige Maßnahme zur Gesundung der Gesellschaft.

Die Schätzung der Dunkelziffer reicht bis zu 30 Prozent Missbrauch bei Mädchen und 15 Prozent bei Buben. Der Vorfall erfolgt oft im Umfeld der Familie durch Verwandte oder Bekannte, die sich in einem Autoritätsverhältnis dem Kind gegenüber fühlen und dieses ausnützen, aber auch durch fremde Personen.

Da das Kind in dieser Situation allein ist und auf diese neue, es völlig überfordernde Situation aufgrund seiner Entwicklungsstufe nicht adäquat reagieren kann, ist es notwendig, das Kind ein rettendes Verhalten zu lehren.

Das geht nun nicht durch drastische Konfrontation des Kindes mit möglichen Gefahren, sondern durch Stärkung der Eigenständigkeit des Kindes. Ein Kind, das den Mut hat, zu sich selbst zu stehen, das seinen eigenen Gefühlen traut und diese ernst nimmt, kann um Hilfe rufen, kann fliehen, sich wehren, statt vor Angst und Unsicherheit zu erstarren.

Was kann man dagegen tun?
Man kann Kinder "ermächtigen", ihnen Macht geben durch Information, Verstehen, Bewusstheit und durch das Lernen von Regeln. Bei aller Aufklärung über sexualisierte Gewalt liegt der Schwerpunkt von "Mein Körper gehört mir" in der Stärkung der Mädchen und Buben in einer angstfreien und lebensbejahenden Weise. Das geht bei Kindern im Alter von 8-10 Jahren nicht wie bei Erwachsenen, indem man sie unterrichtet. Man muss direkt im bildhaften Erlebnisbereich des Kindes arbeiten.

Wie geschieht das bei "Mein Körper gehört mir"?

 

"Mein Körper gehört mir" arbeitet in der dritten und vierten Volksschulklasse mittels eines speziell dafür geschaffenen Theaterstückes, das den Kindern ohne Beisein der Eltern in der Schule in einem anderen Raum als der normalen Klasse vorgeführt wird. Das Theaterstück wird von zwei jungen Schauspielern (m/w) gespielt, gesungen. Es erklärt sensibel und altersgerecht die wesentlichen Aspekte des Problembereichs in lebensweltnahen Darstellungen.

Das Problem sexueller Übergriffe auf Kinder wird klar beim Namen genannt und die Vielzahl möglicher Belästigungen aufgezeigt.

Das geschieht in einer adäquaten und die Kinder aktiv mit einbeziehenden Darstellung der Thematik. Diese spielerisch erlebten Situationen verhindern im Ernstfall nicht nur das panische Erstarren vor Angst, sie sorgen auch dafür, dass es gar nicht erst so weit kommt. Die Schlüsselsätze, die den Kindern nach dem Theaterstück in Erinnerung bleiben sind folgende:
 Mein Körper gehört mir.
 Ich kann mich auf meine Gefühle verlassen und ihnen vertrauen.
 Es gibt gute, unangenehme und komische Berührungen.
 Ich darf Nein sagen.
 Es gibt gute und schlechte Geheimnisse.
 Ich darf Hilfe holen und darüber sprechen, auch wenn es mir ausdrücklich verboten wurde.
 Kein Erwachsener hat das Recht, Kindern Angst zu machen.
 Kinder haben niemals die Schuld an sexuellen Übergriffen.

Es werden die 3 Fragen "trainiert":
1. Habe ich ein "ja-" oder " nein-" Gefühl?
2. Wenn ich tue, was eine fremde Person will, weiß eine vertraute Person, wo ich bin?
3. Kann ich Hilfe bekomme, wenn ich Hilfe brauche?

Angemessene Problemlösungen werden mit den Kindern erarbeitet. In dem Theaterstück wird Kindern klar und deutlich vorgeführt, wie sie sich gegen sexuelle Übergriffe wehren können. Dabei werden verschiedene Strategien des Hilfeholens aufgezeigt.